Lotsin
Diakonie und Michel? Das passt gut zusammen, findet Anke Frickmann. Seit dem 1. Juni ist sie als Diakonin für die Erwachsenenarbeit und die sozialdiakonischen Angebote an St. Michaelis tätig – und hat eine Menge vor.
Im Micheltreff steht Anke Frickmanns Tür immer offen. Manche der Besucherinnen und Besucher wollen nur kurz Hallo sagen, andere kommen mit ihren Sorgen oder praktischen Anliegen zur Leiterin des Micheltreffs. Ansprechbar zu sein, präsent und verlässlich, das ist der 60-Jährigen wichtig. „Diakonie bringt Menschen zusammen, sie schafft Netzwerke. Das, was Menschen beschäftigt, bekommt hier einen Raum.“
Am Michel hat sie für ihre Arbeit ein solides Fundament vorgefunden, gestaltet von ihrem Vorgänger Simon Albrecht, der an St. Michaelis eine neue Aufgabe als Geschäftsleiter der Hauptkirche übernommen hat. Darauf kann sie aufbauen und Neues entwickeln. „Ich habe mich gefragt: Wie können wir das weiter erschließen, was wir zu bieten haben? Was ist meine Aufgabe?“, sagt sie und gibt die Antwort gleich selbst: „Ich werde Gastgeberin sein – nicht nur für Kaffee und Kuchen, sondern als Ansprechpartnerin und als Koordinatorin für die Gestaltung von Themen, die die Besucherinnen und Besucher bewegen.“
Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit wird auf dem Thema „Leben im Alter“ liegen, das sie gemeinsam mit Pastorin Corinna Senf gestalten wird. „Gerade die Versorgung im Alter beschäftigt die Menschen – wo komme ich hin, wenn ich alt bin?“ Anke Frickmann sieht sich in einer Lotsenfunktion: Sie organisiert Informationsveranstaltungen, macht mit einer regelmäßigen diakonischen Sprechstunde Gesprächsangebote und vermittelt bei Bedarf praktische Hilfe. Die Leitung des Secondhand-Ladens Jack un Büx gehört ebenfalls zu ihren Aufgaben; auch hier möchte sie das Angebot erweitern und Menschen für ein Engagement gewinnen. „Wir geben ihnen die Gelegenheit zu tätiger Hilfe“, sagt sie und findet, dies sei auch eine Möglichkeit, den Ruhestand sinnvoll zu gestalten – in Gemeinschaft im Ehrenamt.
„In der diakonischen Arbeit verbinden sich Soziales und Seele,“ findet sie. „Der Glaube bekommt ein Gesicht, er wird lebendig und gegenseitig. Glaube braucht Beziehung, ein Gegenüber.“ Die diakonische Arbeit hat sie mit ihren Ausbildungen zur Erzieherin und Krankenschwester von Grund auf gelernt. Sie studierte Sozialarbeit und Diakoniewissenschaften, machte Weiterbildungen u.a. zur Prädikantin, geistlichen Begleiterin und systemischen Beraterin. Mehr als 30 Jahre war sie in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel tätig.
Am Michel beeindrucke sie die Offenheit und Toleranz: „Die Selbstverständlichkeit, mit der Obdachlose am Michel übernachten können, hat mich sehr überrascht.“ Diakonie bedeutet für Anke Frickmann unmittelbare, praktische Nächstenliebe, die direkt wirksam ist – das hat sie am Michel gefunden: „Es ist ein Geschenk, hier zu sein.“


































































































