Karneval / Passion- und Fastenzeit

Feste wollen vorbereitet sein. Das gilt auch und besonders für das höchste Fest der Christenheit, an dem Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi bedacht und gefeiert werden.

Fastentage vor Ostern lassen sich schon in der Zeit der Alten Kirche nachweisen. Gregor der Große (Papst von 590-604 n. Chr.) hat in der westlichen Kirche die bereits auf dem Ökumenischen Konzil von Nizäa (325 n. Chr.) beschlossene 40-tägige Fastenzeit ab Aschermittwoch eingeführt.

Die Differenz zwischen der 40-tägigen Dauer der Fastenzeit und den mehr als vierzig Tagen zwischen Aschermittwoch und Ostern erklärt sich daraus, dass an den Sonntagen der Fastenzeit nicht gefastet wird. Jeder Sonntag, an dem der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird, gilt als ein „kleines Osterfest“.

Seit dem Mittelalter wurde in manchen Regionen Europas an den Tagen vor der „Fastnacht“, der Nacht vor Aschermittwoch, ausgiebig gefeiert. Wiederholt versuchten die weltliche wie die kirchliche Obrigkeit, durch Regulierungen und Strafandrohungen zu große Ausschweifungen zu verhindern.

Altes heidnisches Brauchtum zum Austreiben des Winters wurde in den Tagen vor Aschermittwoch mit fröhlichen Umzügen, bei denen die Obrigkeit zum Teil derb verspottet wurde, und Festgelagen verbunden und alles verspeist, was in der Fastenzeit durch kirchliche Regeln verboten war. 

Sowohl der schon mittelalterliche Begriff „Fasching“, der auf den letzten Ausschank starken Alkohols in der Fastnacht hindeutet, als auch der in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert gebräuchliche Begriff „Karneval“, was heute vom lateinischen carne levare (= Fleisch wegnehmen) abgeleitet wird, weisen auf diese Speisevorschriften hin.

Martin Luther verurteilte die Fastenvorschriften der Kirche als „Werkelei“ und kritisierte, die Menschen würden sich stärker auf die Einhaltung der Fastenregeln konzentrieren als auf die biblischen Texte dieser Zeit, in denen das Leiden Jesu Christi betrachtet und die Gläubigen zu Buße und Umkehr aufgerufen werden.

Als Zeit vorgeschriebener Enthaltsamkeit wurde die Fastenzeit durch die Reformatoren abgeschafft. Als geistliche Vorbereitungszeit auf Ostern allerdings blieb sie liturgisch erhalten und wurde im Laufe der Geschichte sowohl Fastenzeit (oder „in den Fasten“) als auch Passionszeit genannt.

Die heute in der evangelischen Kirche gebräuchliche Bezeichnung der Wochen von Aschermittwoch bis zum Gründonnerstag ist „Passionszeit“. Die liturgische Farbe dieser Zeit ist Violett als Zeichen der Umkehr und Buße.

In der Passionszeit kennt auch die evangelisch-lutherische Tradition ein „liturgisches Fasten“. Bestimmte, sonst regelmäßig wiederkehrende Stücke der Liturgie entfallen in diesen Wochen: das Gloria in excelsis (Ehre sei Gott in der Höhe) im Eröffnungs- und Anrufungsteil der Evangelischen Messe, der Halleluja-Ruf vor der Evangeliumslesung sowie in der Liturgie nach dem heiligen Abendmahl und in der Karwoche zusätzlich das Gloria Patri (= ein Lobpreis des Dreieinigen Gottes: Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist…) am Ende des Eingangspsalms.

Der Aschermittwoch hat seinen Namen von dem Brauch, den Gläubigen an diesem Tag als Zeichen der Buße und als Erinnerung an die Sterblichkeit des Menschen ein Aschenkreuz auf die Stirn zu zeichnen. Auch in vielen evangelischen Gemeinden wird dieser Brauch wieder gepflegt.

Die Sonntage dieser Zeit haben lateinische Bezeichnungen, die – mit Ausnahme des Palmsonntags (Palmarum) – vom ersten Wort des biblischen Kehrverses genommen sind, das den Eingangspsalm des jeweiligen Sonntags rahmt:

  • 1. Sonntag der Passionszeit (Invokavit = Er ruft mich an… (Psalm 91, 15))
  • 2. Sonntag der Passionszeit (Reminiszere = Gedenke… (Psalm 25, 6))
  • 3. Sonntag der Passionszeit (Okuli = Meine Augen… (Psalm 25, 15))
  • 4. Sonntag der Passionszeit (Laetare = Freuet euch… (Jesaja 66,10))
  • 5. Sonntag der Passionszeit (Judika = Schaffe mir Recht… (Psalm 43, 1))
  • 6. Sonntag der Passionszeit (Palmarum)

Der 4. Sonntag der Passionszeit heißt auch „Klein-Ostern“. Er markiert das „Bergfest“ der Passionszeit, ist von biblischen Texten geprägt, in denen die österliche Freude bereits anklingt und kann neben dem Violett als liturgische Farbe auch Rosa tragen.

Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche (von althochdeutsch kara = Klage, Kummer). Die prägenden Tage dieser Woche sind der Gründonnerstag, der Karfreitag und der Tag der Grabesruhe Jesu am Karsonnabend (nicht Ostersonnabend).

Die Bezeichnung Gründonnerstag hat nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern stammt von althochdeutsch Greinen (= Weinen, mit den Zähnen knirschen). An diesem Tag wurden die reuigen Büßer wieder in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Am Gründonnerstag gedenkt die Kirche der Einsetzung des heiligen Abendmahls durch Jesus am Abend vor seinem Leiden.

Der Karfreitag gilt manchen Christen noch immer als der höchste Feiertag der evangelischen Kirche, weil das Kreuzesleiden Christi, das im Zentrum evangelischer Theologie steht, an keinem Tag des Kirchenjahres stärker im Mittelpunkt der Verkündigung steht als am Karfreitag.

Heute allerdings setzt sich in der lutherischen Kirche immer stärker eine Wiedergewinnung des sogenannten „Triduum sacrum“ (= heilige drei Tage) durch, bei dem der Gründonnerstag, der Karfreitag und Ostern als ein zusammenhängendes gottesdienstliches Geschehen begangen und gefeiert wird und in seiner Gesamtheit den Höhepunkt des Kirchenjahres bildet.

 

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